SPIEGEL ONLINE - Microsoft droht: Prüft eure Lizenzen, sonst...

From: rmf2mlh@gmx.de
Date: Wed Jul 04 2001 - 13:43:09 CEST

  • Next message: Siggy Brentrup: "Re: SPIEGEL ONLINE - Microsoft droht: Prüft eure Lizenzen, sonst..."

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    geschickt von rmf2mlh@gmx.de mit der persönlichen Mitteilung:

    hmmm....es wird immer besser....

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    Microsoft droht: Prüft eure Lizenzen, sonst...
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    Microsofts Lizenz-Initiative sorgt für wachsenden Unmut. Während die
    Gates-Company in Deutschland (noch) freundlich wirbt, hat sie in den
    USA längst eine härtere Gangart angeschlagen. Dort kommt MS seinen
    Kunden mit Ultimaten, Drohungen und Vorschriften.

    Von Frank Patalong

    Dudeldudel, schallt es aus dem Radio. Kurz vor der Ampel der
    Stau-Bericht, ein kurzer Fiepser - und die Werbung kann beginnen. Ein
    Spot, der zurzeit bundesweit Verbreitung findet, geht so:

    Zwei Männer reden da miteinander, tiefe, brummende Freundesstimmen.
    Die reden, als vertrauten sie sich Geheimnisse an, und tatsächlich
    handelt es sich um eine Art vertrauliches Gespräch: "Du, hast du
    nicht schon mal..." setzt der eine an - und ab geht's.

    Natürlich geht es um die wichtigste Nebensache der Welt: um
    Microsoft-Software.

    Und um Piraterie. Der eine, der Tugendhafte, der tut diese Sache
    nicht. Der andere schon, hier vielleicht ein Spiel, da ein Stück
    Software, "aber das ist doch kein Diebstahl".

    Zum Glück hat unser irregeleiteter und nun hörbar verunsicherter
    Software-Pirat einen guten Freund, der Rat weiß. Er, erzählt der
    Tugendbold dem Freunde, habe ja sogar schon seine Software von
    Microsoft prüfen lassen. Sollte jede Firma mal machen, eigentlich.

    Herr Kaiser trifft den Melitta-Mann

    In wenigen Radiosekunden wachsen einem diese beiden Menschen, die
    sich anhören, als träfe Herr Kaiser auf den Melitta-Mann, so richtig
    ans Herz.

    So berechtigt die Klagen der Industrie über Softwarepiraterie auch
    sein mögen - hinter Microsofts "Aufklärungskampagne" steckt durchaus
    mehr als die Bekämpfung finsterer (und versehentlicher) Verbrecher.
    Das Thema "Software-Piraterie" ist ja augenblicklich nicht der
    einzige Kontext, in dem Microsoft-Vertreter das Wörtchen "Lizenz"
    häufiger fallen lassen.

    Mit Office XP ist auch in Deutschland mittlerweile das erste Produkt
    eingeführt, das man "zwangsaktivieren" lassen muss. Sprich: Erst
    kaufen, dann anmelden und erfassen lassen, bevor man mit der Arbeit
    beginnen kann.

    So etwas mag man noch als das legitime Schutzinteresse eines durch
    Softwarepiraterie bis an die Armutsgrenze gebeutelten Unternehmens
    gelten lassen. Doch wie wäre es mit der folgenden Variante:

    In den Vereinigten Staaten hat Microsoft in den letzten Tagen
    Tausende von Unternehmen mit Post beglückt, in der diese dazu
    aufgefordert werden, ihre Softwarelizenzen zu überprüfen - und
    Microsoft die Ergebnisse binnen 30 Tagen zukommen zu lassen.

    Ein Witz?

    Durchaus nicht. So was nennt man in der Politik ein Ultimatum, bei
    Microsoft nennt man es einen "ganz normalen Vorgang".

    Ja, mehr noch: Es ist eher so etwas wie eine Hilfestellung für die
    betroffenen Unternehmen: "Wir gehen davon aus", sagte eine
    Microsoft-Juristin dem Nachrichtendienst News.com, "dass die
    mittelgroßen Unternehmen durch ihr schnelles Wachstum größere
    Probleme haben, die Lizenzbedingungen einzuhalten".

    Das ist eindeutig zweideutig

    Der drohende Unterton bleibt, auch wenn das im reinsten
    Juristen-Kaudelwelsch verundeutlichte Schreiben dem Ultimatum kein
    "denn sonst" folgen lässt. Eingeschüchtert fühlen sich die
    Betroffenen trotzdem, und das sollen sie wohl auch.

    Das Ganze ist noch nicht einmal Schnüffelei: Wozu Software-Agenten
    mit der Inventur bemühen, wenn das die Nutzer auch selbst können?

    Microsoft will die Nutzung freier Software unterbinden

    Lizenznehmer neuerer Microsoft-Produkte könnten dabei einige fiese
    Überraschungen erleben. Da gibt es zum Beispiel das "Mobile Internet
    Toolkit". Wie jedes Stück Software kommt auch dieses mit einer Lizenz
    daher - und die hat es in sich: Nutzern der Entwickler-Software wird
    darin untersagt, Microsoft-Software in Verbindung mit "viraler
    Software" einzusetzen.

    Damit ist nicht etwa ein krankes Programm gemeint: Krank ist einzig
    und allein diese Lizenz-Vorschrift. Sie besagt nicht mehr und nicht
    weniger, als dass es sich Microsoft vorbehält, die Nutzung seiner
    Produkte in Verbindung mit Open-Source-Software zu verbieten.

    Im Klartext: Alle Programme, die unter der General Public License
    (GPL), der Lesser General Public License (LPGL) oder der Mozilla
    Public License (MPL) erarbeitet wurden, sind verboten, wenn man mit
    diesem Microsoft-Programm arbeiten will. Das ist so, als würde man
    auf den Bananen bei Rewe einen Aufkleber finden, auf dem folgendes
    geschrieben steht: Wer hier reinbeißt, darf nie mehr bei Edeka
    einkaufen.

    Man kann sich nur wundern über das neue Selbstbewusstsein der
    Gates-Company. Ein Jahr hielt Microsoft die Bälle flach, um die
    Richter nicht beim Nachdenken zu stören. Jetzt ist Microsoft wieder
    da, gebeutelt, aber letztlich mächtiger denn je. Das Urteil im
    Kartellprozess steht noch in diesem Monat an. Irgendwie wird man das
    Gefühl nicht los, dass die in Redmond schon wissen, wie die
    Geschichte ausgeht.

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